Ich mag sie überhaupt nicht: Parkauto- maten in der Provinz; diese Relikte längst vergangener Zeiten. Ihnen ist es zu verdanken, dass der Kanton mit mir eine fixe Einnahmequelle hat. Und ihretwegen reserviere ich mir jeden Monat vorsorglich einen Teil des Gehalts für Parkbussen.

Man verstehe mich richtig. Ich propagiere hiermit keineswegs eine gleichgültige Haltung unserem Ordnungsbussengesetz gegen- über, ganz im Gegenteil. Wie gerne wäre ich auch beim Parkieren in ländlichen Gebieten gesetzestreu – würde dieses nicht voraussetzen, stets Münz auf sich zu tragen. Denn: Seit jeher pflege ich eine ausgeprägte Abneigung gegenüber Bargeld.

Es fängt schon bei der Hygiene an. Ich bin kein Hypochonder, wasche mir weder dauernd die Hände, noch gehört Desinfektionsmittel zu meinem üblichen Handtaschen-Inventar. Und natürlich übertragen wir beim Händeschütteln zu Hauf Bakterien. Aber immerhin entscheide ich selbst, wem ich die Hand gebe. Bargeld hingegen war zuvor schon buchstäblich in allerhand Fingern. In welchen genau, wurde mir während einiger Monate bei der Arbeit an einem Bankschalter vor Augen geführt. Nie habe ich häufiger meine Hände gewaschen und seuchte mehr Viren durch als zu jener Zeit. Auch das Desinfektionsmittel stand stets griffbereit. Seither ruft Bargeld in meinen Händen eine gewisse Verdrängungsstrategie hervor: Ich versuche krampfhaft, mir nicht vorzustellen, welche einstigen Besitzer ich nun beerbt habe.

Für mein gespaltenes Verhältnis zu Barem ist aber ein ganz anderer Aspekt ausschlaggebend: Mir fehlt schlicht das Gefühl für seinen Wert – mal ganz abgesehen davon, dass mich die neue 50er-Note stark an die Plastikscheine meines einstigen «Chrämerlädelis» erinnert. Ich wuchs zu einer Zeit auf, als sich Debitkarten und E-Banking längst etabliert haben. Eine Zahlung auf der Post habe ich noch nie getätigt, kleinste Beträge bezahle ich mit der Karte. Mein Geld ist digital.

Kürzlich erklärte mir eine ältere Bekannte, dass sie ihr Konsumgeld jeweils in bar abholt. Sie könne es sich so besser einteilen. «Es schmerzt mich, eine Note aus den Fingern zu geben», sagte sie. Nun, bei mir ist es umgekehrt. Meinen Kontostand kann ich stets fast auf den Franken genau beziffern. Und wenn ich in einem Laden unverho vor einer grösseren Ausgabe stehe (eine schöne Tasche etwa, Sie erinnern sich an meine letzte Kolumne), habe ich jeg- lichen Spielraum meines Budgets in- nert Sekunden via App geprü . Geld von meinem Konto abzubuchen tut mir weh. Das Bargeld hingegen rutscht mir regelrecht durch die Finger – ist es in meinem Portemonnaie, gehört es in meinem Unterbewusstsein bereits nicht mehr zu «meinem» Geld. Denn dieses liegt digital auf meinem Konto.

Ich habe mich also an die Tage erinnert, als mein Geld noch aus Plastik war. Mein Kässeli aus der Kindheit steht nun wieder auf der Kommode. Das übrige Münz aus den unausweichlichen Bargeld-Einkäufen landet wieder im Schlitz des bunt bemalten Schildkrötenpan- zers. Und löst damit ein weiteres Problem: Meine Parkbussenquote tendiert seither wieder gegen null – oder beschränkt sich zumindest auf Strafbescheide wie «Zuparkieren der Ausfahrt» oder auch «Parkieren ausserhalb der Parkzone».

Kürzlich fand ich mich wieder vor meinem liebsten – weil häufigsten – Parkautomaten in der Provinz. Mein Kleingeld war bereits vorsorglich abgezählt und griffbereit. Ich suchte verstohlen den Münzschlitz. Vergebens. Der Park- automat wurde von einer modernen Version ersetzt. Von nun an werden Parkplätze auch in der Provinz mit Karte oder per SMS bezahlt. Und meine liebe Schildkröte ist wieder inhaltslos – zwecks unnützer Ausgaben.

Kolumne «Generation Y» vom September 2016
Erschienen im Kundenmagazin «PANORAMA» der Raiffeisen