Warum du in Mexiko am Wahltag vergebens nach Tequila suchst, Coca-Cola als Nationalgetränk adoptiert wurde und der Strassenverkehr furchteinflössender als der Drogenverkehr ist – eine Sammlung skurriler und amüsanter Dinge, die ich im Land der Tortilla gelernt habe.

1. Lebenselixier Coca-Cola

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Coca-Cola wurde eigentlich in Mexiko erfunden. Könnte man zumindest denken. Nach wenigen Tagen gab ich mir nicht mehr die Blösse, zum Essen Wasser zu bestellen und schockierte Blicke zu riskieren. Zu Tacos wird Coca-Cola getrunken. Und zum Burrito auch. Ebenso zu Huaraches. Ach was sag ich – zu jedem Essen wird das überzuckerte Koffeingetränk – das in Lateinamerika noch überzuckerter ist – konsumiert. Meine Kapitulation nach nur wenigen Tagen hatte übrigens nicht nur mit Scham zu tun. Sondern auch damit, dass an vielen Orten Mineralwasser gar nicht bestellbar war.

2. Setze dich niemals direkt neben den Busfahrer – das willst du nicht sehen!

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Der Verkehr in Mexiko ist schrecklich. Damit meine ich keinesfalls den Narcotráfico, also den Drogenverkehr. Ich beging an einem meiner ersten Tage in Mexiko den Fehler, mich auf den Platz neben den Busfahrer zu setzen. Anschliessend starb ich tausend Tode. Die einzige für mich erkennbare Verkehrsregel war: Wer bremst, verliert. Die Fahrt erinnerte mich stark an meine ersten Versuche beim GTA – vor meinem inneren Auge überfuhren wir an der ersten Haltestelle schon zehn wartende Menschen. Auf dem Weg dahin gab es mindestens fünf Fast-Kollisionen. Später erfuhr ich auch den Grund für den, sagen wir, zügigen Fahrstil der Busfahrer: Es gibt einen Fahrplan. Für jede Minute Verzug müssen sie an gewissen Kontrollstellen einige Pesos abgeben. Besser gesagt, zum Fahrer-Fenster hinauswerfen, alles andere kostet ja wiederum Zeit. Einen Unfall sah ich übrigens während meines ganzen Aufenthaltes keinen einzigen.

3. Mexikanisches Essen hat so gar nichts mit mexikanischem Essen zu tun

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«Freitag ist Fajita-Tag», werden wir hierzulande mit einer klischeegetreuen mexikanischen Familie belehrt. Fajitas habe ich in Mexiko keine gegessen. Die Art und Weise, alle möglichen Zutaten in eine einzige Tortilla zu füllen, ist denn auch nicht sehr mexikanisch. Im Taco, dem Fajita-ähnlichsten Essen, gibt es meist nur zwei oder drei Zutaten. Im Bild: Ein Taco mit Ei und Nopales, einer Kaktussorte. Obligatorisch sind dabei Salsa – grosszügig mit Chili angereichert – und Limetten, welche die Schärfe ein wenig neutralisieren. Und: mexikanisches Essen bietet weit mehr als nur Tacos und Burritos. Solange man Coca-Cola dazu trinkt, versteht sich.

4. Wie Mexikaner Gurken schneiden


Gurken sind bitter. Davon sind gewisse Mexikaner überzeugt. Deshalb trennen sie erst ein Ende der Gurke ab und reiben es am anderen Teil der Gurke, bis eine schäumende Flüssigkeit hervortritt – die «Bitterkeit». Erst wenn diese aus der Gurke entfernt wurde, kann der Rest verarbeitet werden.

5. Kein Leben ohne Tortillas

imageDass Tortillas das mexikanische Pendant zum Brot sind, ist eine masslose Untertreibung. Tortillas gibt es immer, überall und zu allem. Sie sind nicht nur Nahrung, sie sind auch Besteck und Serviette. Tortillas sind die Basis eines jeden Essens, selbst wenn Spaghetti oder Reis (im Bild) serviert werden. Die absolute Selbstverständlichkeit der Tortilla gipfelte in nachfolgendem Schock eines Mexikaners: «Bei euch gibt es keine Tortillas? Was esst ihr dann?!»

6. Warum in öffentlichen Bussen gefilmt wird

Als ich das erste Mal in einem mexikanischen Fernbus sass, traten vor der Abfahrt ein Polizist und ein Begleiter mit Kamera in den Bus. Sie gingen den Flur entlang und filmten jeden Sitz, jeden Passagier. Verunsichert fragte ich bei meiner Schwester nach, die ein halbes Jahr in Mexiko gelebt hat. «Nun, da gibt es zwei Versionen», beginnt sie schmunzelnd und schonend zugleich.
Die erste: «Bei einem Diebstahl kann man den Täter so schneller ausfindig machen. Oder zumindest die Verdächtigen.» Ich schluckte. Noch nicht ahnend, dass dies noch die harmlosere Erklärung war. Meine Schwester fuhr mit der zweiten Version fort: «Falls der Bus entführt wird, hätten sie bereits sämtliche Bilder für die Vermisstenanzeigen.» Na dann.

7. Mexikaner sollen am Abstimmungstag nüchtern sein

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«Auf amtliche Verfügung gilt das Trockenheits-Gesetz für den 18. und 19. Juli» – so der Zettel auf dem Bild. Der Hintergrund: Am Tag vor einer Wahl, am Tag der Wahl selbst und an gewissen Feiertagen darf in Mexiko kein Alkohol verkauft werden. Schliesslich soll im Land des Tequilas und des Coronas nüchtern abgestimmt werden.

 

8. Niemand hat den Präsidenten gewählt
Apropos Wahlen. Niemand, wirklich niemand hat den Präsidenten gewählt. Das zumindest beteuert jeder Mexikaner, dem ich begegnet bin. Dass kaum jemand hinter der Regierung steht, ist unschwer zu erkennen. Wie der aktuelle Präsident Enrique Peña Nieto dennoch gewählt wurde, kann sich kein Mexikaner erklären. Aber er wars nicht. Ehrlich nicht.
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9. Bademode? Nicht in Mexiko!

Viele Mexikaner tragen die Bademode im besten Fall unter ihren Kleidern. Dass ein durchnässtes T-Shirt manchmal unfreiwillig mehr zeigt als ein schlichter Badeanzug ist ihnen entweder nicht bewusst oder sehr wohl bewusst. Frauen im blossen Einteiler sieht man nur sehr wenige, im Bikini kaum jemanden. Auch Männer ziehen es oftmals vor, noch ein T-Shirt über den Badeshorts zu tragen. Dies gilt zumindest für die nicht-touristischen Regionen. In Party- und Urlaubs-Hochburgen wie Cancún oder Cabo ist ein denkbar hemmungsloseres Bild anzutreffen

10. Es gibt immer einen Freund von einem Freund …

Das Schönste an Mexiko: Es wird einem immer und überall geholfen. Nicht nur als Europäerin, sondern als Mensch. Hotel? Braucht es nicht, wenn man mexikanische Freunde hat. Selbst wenn sie gar nicht über so viele Betten verfügen. Da wird eben zusammengepfercht, Platz für Gäste hat es immer. Mit derselben Selbstverständlichkeit bieten sie an, einen zu gewünschten Ausflugszielen zu fahren. Selbst wenn ihr Auto seit Wochen nicht mehr anspringt. Irgendein Freund von ihnen hat bestimmt ein fahrtüchtigeres Auto.
Merke: Wenn der Mexikaner selbst nicht helfen kann, kennt er bestimmt jemanden, der es kann. Oder dieser Jemand kennt jemanden.