Sogenannte Superfoods sind derzeit nicht aus Ernährungs- und Fitnessblogs wegzudenken. Exotische Chia-Samen, Açai-Beeren und Co sind zwar sehr nährstoffreich, aber auch teuer. Dabei gibt es regionale Alternativen.

Ihre Namen sind so klangvoll wie unaussprechlich:Quinoa, Goji-Beeren, Chia-Samen und Açai-Pulver, um nur Einige zu nennen. Die Lifestyle-Branche schreibt ihnen nahezu wundersame Kräfte zu:Mit ihrer geballten Ladung an Nährstoffen sollen sie das Hautbild verfeinern, die Haare stärken und das Gewicht bei regelmässigem Verzehr senken. Auch beugen sie angeblich gegen allerlei Krankheiten vor. Daher rührt auch die Bezeichnung «Superfoods». Sie entstammt dem Vokabular der Gesundheits- und Lifestylegemeinde und verfügt eigentlich über keine genaue Definition.

Insbesondere in der florierenden Fitness-Szene gerät man rasch mit Superfoods in Berührung. Instagram-Accounts sind voll von Bildern mit Müsli-Bowlen, garniert mit dem exotischen Beigemüse, das gleichermassen dekorativ wie gesund sein soll. Food- und Gesundheitsblogs preisen deren Schmackhaftigkeit an und werden nicht müde zu betonen, dass sie zu einem gesunden Lebensstil dazugehören. Wie omnipräsent Superfoods sind, wird auch mit einem Blick auf die Suchmaschine klar:Google liefert zu dem Begriff über 15,6 Millionen Ergebnisse. Obwohl «Superfoods» generell gesunde Nahrungsmittel beschreiben könnte, wird der Begriff fast ausschliesslich für exotische Produkte verwendet. Was aber macht diese tatsächlich so gesund?

Fakt ist: Superfoods enthalten tatsächlich zahlreiche für den Körper wichtige Inhaltsstoffe. Sie sind reich an Omega-Fettsäuren, Spurenelementen und Vitaminen. Zudem verfügen sie über viele Ballaststoffe, Antioxidantien sowie Mineralien und Eiweisse. Gesunde Inhaltsstoffe also, denen unter anderem positive Auswirkungen auf das Gedächtnis, das Herz-Kreislaufsystem und nicht zuletzt auf das Gewicht nachgesagt werden. Für viele gesundheitsbewusste Konsumenten sind Superfoods deshalb fester Bestandteil in ihrem Frühstücksmüsli, Salat und als Ergänzung in den Hauptmahlzeiten.

«Keine einfache Lösung»

Dennoch: Fachleute halten die Anpreisungen für übertrieben. Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) etwa steht dem Trend und «insbesondere den langen Transportwegen der Superfoods» kritisch gegenüber, wie sie in einer Mitteilung schreibt.

«‹Superfood› ist in erster Linie ein Marketingbegriff – nicht mehr und nicht weniger», sagt auch Jasmin Bühler, Ernährungsberaterin bei Ernährung Biel. Die Begeisterung um die exotischen Alleskönner gründe aber eher auf einer Illusion: «Sie suggerieren einmal mehr die einfache Lösung.» Bei den Konsumenten kehre das Bedürfnis nach gesunder Nahrung vermehrt zurück. Man wolle wieder nährstoffreiche, natürliche Lebensmittel statt industriellen Convenience-Food. «Allerdings muss es stets schnell gehen und keinerlei Aufwand mit sich bringen», so Bühler.

Die Superfood-Anbieter befriedigen dieses Bedürfnis mit einfachen Formeln:Morgens zwei Handvoll Goji-Beeren, mittags drei Esslöffel Spirulinapulver und abends eine hochkonzentrierte Ingwer-Kapsel – und der tägliche Nährstoffbedarf ist gedeckt. «Das scheint perfekt für all jene, die davon träumen, langfristig gesund, schlank und leistungsfähig zu sein, ohne auch nur ein Quäntchen in sinnvolles Einkaufen und Zubereiten der Nahrung zu investieren», sagt Ernährungsberaterin Jasmin Bühler. «So funktioniert das aber nun mal nicht.»

Auf ihren Inhalt reduziert sind Superfoods schlicht nährstoffdichte Mittel. «Sie sind vollgepackt mit allem, das wir unserer Gesundheit zuliebe täglich zu uns nehmen sollten», so Bühler. «Demnach ist es grundsätzlich ein Muss für jeden, dem etwas an seiner Gesundheit liegt.»

Ersatz ist nah und günstig

Also steckt hinter dem Social-Media-Hype und dem Marketingbegriff doch mehr?Sollten Gesundheitsbewusste nun tatsächlich tiefer in die Tasche greifen, um die hochgepriesenen Beeren dem Frühstücksmüesli beizumischen? «Nein, natürlich nicht!», sagt Jasmin Bühler. Genau hier spiele aber der Verkaufsgedanke des Anbieters eine entscheidende Rolle. «Mit einem einfachen Broccoli lässt sich halt nicht so viel verdienen wie mit dem exotischen Maca-Pulver.» Auch die Bequemlichkeit trägt beim Konsumenten bei:Hiesige Früchte und Gemüse müssen zum Verzehr oftmals gerüstet werden. «Da ist es einfacher, schnell einen Löffel Maca-Pulver über den Fertigsalat zu werfen.»

Exotisch muss es trotzdem nicht sein. Viele der teuer importierten Produkte können ohne oder nur mit wenig Nährstoff-Einbussen durch regionale Produkte ersetzt werden (siehe Infobox).

Die Ernährungsberaterin Jasmin Bühler will sich keineswegs gegen den aktuellen Trend aussprechen. Gesunde Ernährung sei wichtig, «aber sie beinhaltet eben weit mehr als die angepriesenen Superfoods».

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Das sind die regionalen Alternativen

Açai-Beere: Heidelbeere, Holunder
Aronia-Beere: Holunder
Goji-Beere: Johannisbeere, Himbeere, Hagebutte, Brennessel, Sanddorn
Moringa: Karotte
Spirulina: Spinat, Lattich
Chia-Samen: Leinsamen
Weizengras: Broccoli, Grühkohl
Matcha: Kamille, Löwenzahn, Hagebutte

Erschienen im Bieler Tagblatt vom 3. September 2016